Mobile Cloud Gaming: Zukunftsmusik oder massentauglich?

Cloud Gaming bezeichnet das Streaming von Computerspielen. Eine lokale Installation der Spiele-Software entfällt, für die aufwendige Rechenleistung und Verarbeitung ist ein Server zuständig. Ton und Bild sowie Spieler-Eingaben werden über das Internet übertragen, eine schnelle Verbindung mit geringer Verzögerung vorausgesetzt. Aktuell ist Cloud Gaming hauptsächlich noch Endgeräten wie PC und TV beziehungsweise Konsole vorbehalten. Doch Mobile Cloud Gaming könnte die ohnehin große Beliebtheit des Zockens auf Mobilgeräten weiterhin ansteigen lassen.

Mobile Gaming Marktvolumen und Wachstum

Der weltweite Umsatz mit Mobile Games beläuft sich im Jahr 2019 auf 47,5 Milliarden Euro, was einen Anstieg von rund 5 % zum Vorjahr bedeutet. Eine Prognose geht von eine Anwachsen des Marktvolumens auf knapp 54 Milliarden Euro bis 2023 aus, was einem jährlichen Wachstum von 3,2 % entspricht. Im Jahr 2019 spielten weltweit rund eine Milliarde Menschen Mobile Games, was einer Penetrationsrate von knapp 14 % gleichkommt. Der Anstieg zum Vorjahr betrug damit 7 %. Zum Vergleich: Videospiele allgemein generierten 2019 einen Umsatz von 73,6 Milliarden Euro bei 1,7 Milliarden Spielern weltweit und einer Penetrationsrate von 23,5 %.

Die große Beliebtheit von Mobile Games

In Deutschland erreichen digitale Games im Jahr 2019 rund 30 Prozent der Bevölkerung, während Mobile Games 22,5 % ansprechen. Das Zocken mit dem Mobilgerät ist ein beliebter Zeitvertreib. Daher zählen sogenannte Casual Games zu den Top Titeln, die Spieler am häufigsten herunterladen. Diese Mobile Games sind intuitiv verständlich und ideal, um ohne großen Zeitaufwand zwischendurch ein paar Runden zu spielen. Im Jahr 2019 zählen Mario Kart Tour, PUBG Mobile oder Fun Race 3D zu den beliebtesten Titeln. William Hill Games erfreuen sich auch großer Beliebtheit sowie Social Games, Social Poker und weitere Spiele, die sich gegen Mitspieler zocken lassen. Verbreitete Klassiker großer Studios sind etwa Fortnite, Pokemon Go oder Clash of Clans.

Cloud Gaming als Push für Mobile Gaming

Cloud Gaming war einer der vielen Trends auf der Gamescom 2019, der weltgrößten Messe für Computerspiele in Köln. Das Prinzip des Streaming von Games ist dabei gar nicht so neu. Geforce Now des Hardware-Herstellers Nvidia oder PlayStation Now von Sony waren erste Beispiele eines derartigen Angebotes. Neu ist allerdings, dass Cloud Gaming zunehmend auch Mobilgeräte unterstützt. Google hat mit Stadia einen eigenen Streaming-Dienst für Computerspiele vorgestellt, der sich per App auch auf Android Mobilgeräten nutzen lässt. Microsoft will mit Project xCloud ebenfalls mobile Endgeräte ansprechen, während bei der Telekom mit Magenta Gaming ebenfalls Android-Nutzer angesprochen werden sollen. Mobile Cloud Gaming hat das immense Potenzial, der großen Gemeinde an Mobile Gamern den Zugang zu aktuellen Titeln zu ermöglichen, und das ohne zusätzliche High-End-Hardware.

Google Stadia: Start im November 2019

Google Stadia ist im November 2019 in Deutschland und insgesamt 14 Ländern weltweit gestartet. Der Cloud-Service wird bereits als Netflix für Computerspiele beschrieben. Ganz so stimmt das allerdings nicht. In einer Basis-Version ist Google Stadia kostenlos, beinhaltet aber kein Streaming in 4K-Qualität. Nutzer müssen die Spiele einzeln kaufen. Für knapp 10 Euro monatlich gibt es Stadia Pro mit Streaming in höchster Qualität und einem Zugriff auf eine Bibliothek an ausgewählten Spielen.

Im Gegensatz zu Konsolen gibt es bei Google Stadia keine dedizierte Hardware. Mögliche Endgeräte sind Laptops und PCs mit Chrome Browser, TV-Geräte mit einem Chromecast Ultra Stick sowie Android Mobilgeräte mit Stadia App. Zum Start unterstützt Google Stadia nur ausgewählt Pixel Mobilgeräte, 2020 sollen auch weitere Smartphones und Tablets angesprochen werden. Eine Besonderheit ist der nahtlose Übergang zwischen Geräte, sodass Spieler auf dem Smartphone beginnen und auf dem TV-Gerät weiterspielen können.

Dank der leistungsfähigen Server von Google sollen Lade-Bildschirme und Wartezeiten der Vergangenheit angehören, eine entsprechend schnelle Internetverbindung ohne Verzögerung vorausgesetzt. Zusätzliche Funktionen sind das Teilen von Spielständen per Social Link, Crowd Play für Zuschauer von Live-Matches und Unterstützung durch den Google Assistant.

Zum Start im November 2019 unterstützen bereits 12 Spiele Google Stadia, darunter Assassin’s Creed Odyssey, Destiny 2, Mortal Kombat 11 sowie Red Dead Redemption 2. Zu den angekündigten Titeln für die Plattform zählen Doom Eternal, Rime und Baldur’s Gate 3.

Ist Mobile Cloud Gaming schon massentauglich?

Ob Google mit Stadia im Alleingang den Markt für Mobile Gaming auf den Kopf stellen wird, bleibt abzuwarten. Microsoft strebt mit xCloud ebenfalls Cloud Gaming an, testet den Streaming Dienst aber noch. Ein Unterschied könnte sein, dass Microsoft das Streaming auf die eigenen Spieler der Nutzer beschränkt. Auf einer Xbox Konsole könnten sich diese dann nach wie vor auch ohne Internetverbindung spielen lassen, während Google Stadia eine Offline-Nutzung ausschließt.

Eine Herausforderung an das Cloud Gaming allgemein ist nicht nur die Geschwindigkeit der Datenübertragung, sondern auch die sogenannte Latenz der Internetverbindung. Je schneller der Spieler beim Zocken reagieren muss, desto wichtiger ist es, dass Eingaben eine möglichst kurze Laufzeit zum Server und zurück haben. Nur so ist ein ruckelfreier Ablauf sichergestellt. Beim Streaming von Videos können Inhalte vorgeladen werden. Entscheidet der Spieler in Echtzeit, was passiert, ist dies nicht möglich.

Mobilgeräte stehen beim Mobile Cloud Gaming vor einer zusätzlichen Herausforderung. Die Datenübertragung im WLAN ist eine Sache, doch eine geringe Latenz bei der Datenübertragung per Mobilfunk ist eine andere. Die Telekom setzt bei Magenta Gaming beispielsweise auf eine mobile LTE-Verbindung, um das ruckelfreie Spielen zu ermöglichen. Der Standard 5G ist in Deutschland noch nicht allgemein verfügbar. Ob 4G für 4K-Qualität ausreicht, ist auch bei Google Stadia fraglich. Es scheint, als ob der stockende Breitband Ausbau in Deutschland die neue Technik behindert.

So oder so werden die klassischen Spielekonsolen durch Cloud Gaming auf kurze Sicht nicht aussterben. Gerade im Hinblick auf Mobilgerät hat die neue Technologie aber durchaus das Potenzial, eine neue Generation an Spielern an Blockbuster Titel heranzuführen.

Bereits im Jahr 2017 waren sich bei einer Umfrage unter Experten der Games Branche mehr als die Hälfte der Befragten einig, dass es sich bei Mobile Gaming um einen Game Changer handele. Die aktuellen Nutzerzahlen sowie die Prognose der Penetrationsrate scheinen dies zu bestätigen.

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